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Der SpongeBob Schwammkopf Film



Land: USA
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: 6
Starttermin: 23. Dezember 2004

Genre: Zeichentrick-Komödie

Regie: Stephen Hillenburg
Drehbuch: Stephen Hillenburg, Derek Drymon, Tim Hill, Kent Osborne, Aaron Springer, Paul Tibbitt
Sprecher: Santiago Ziesmer, Eberhard Prüter, Marco Kröger, Jürgen Kluckert, Thomas Petruo, Tilo Schmitz, Andreas von der Meden, Marie Bierstedt, Hans-Werner Bussinger
Kamera: Jerzy Zielinski
Schnitt: Lynn Hobson
Musik: Gregor F. Narholz








Erneut muss ich mir den Fehler eingestehen, mir zu Unrecht frühzeitig eine schlechte Meinung gebildet zu haben, einzig durch den bloßen Anblick des Hauptcharakters. Nach dem Genuss einer halben Folge der Serie auf Super-RTL ließ sich dieses Urteil schon sehr stark revidieren, denn das war durchaus unterhaltsam, was ich da zu sehen bekam, vom Hocker gehauen hat es mich allerdings nicht. Doch seit Mittwoch dieser Woche, schon bevor ich den Kinosaal wieder verlassen hatte, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz - SpongeBob ist der absolute Hammer!

Sein erstes Kinoabenteuer beginnt für den verrückten Schwammkopf alles andere als glänzend: Seine Vorfreude auf die Ernennung zum Manager des zweiten Burger-Imbisses der Kette "Krosse Krabbe", der sich sinnvollerweise direkt neben dem ersten befindet, endet in einer herben Enttäuschung - der Posten geht nicht an den mehrfach ausgezeichneten Mitarbeiter des Monats. Doch nach mehreren Runden Frust-Eisessen mit seinem dämlich-sympathischen besten Freund Patrick ist dieses negative Ereignis schon sehr schnell vergessen - auch wenn der Kater am nächsten Morgen umso schlimmer ausfällt. Dummerweise steht SpongeBob jedoch schon bald vor einem weitaus größeren Problem: Neptun, dem König des Meeres, wurde seine Krone gestohlen - wie soll er denn nun seine Glatze verdecken - und der Schuldige ist schnell gefunden - in SpongeBobs Chef Mr. Krabs. Zur Strafe wird dieser zunächst eingefroren und soll, nach harten Verhandlungen, in genau sechs Tagen das Ende seines Daseins erleben. Die einzige Chance, ihn zu retten, besteht nun darin, die Krone wieder zu beschaffen, die sich angeblich in Shell City befindet. Doch diese Reise birgt für SpongeBob und Patrick so einige Gefahrenů

Es ist wohl schon zu erkennen - seine Handlung ist nicht die umwerfende Stärke des Filmes. Sie ist weder neu, noch wirklich originell, sie besteht eben im Grunde nur aus einer Wiederbeschaffungsmaßnahme eines gestohlenen Objekts, wohinter natürlich etwas noch viel Größeres zum Vorschein kommt. Nein, hier vermag "Der SpongeBob Schwammkopf Film" wahrlich nicht zu punkten. Es zählt einzig das, was Schwamm und Doof auf ihrem Weg nach Shell City so alles erleben und was sich in ihrer Heimatstadt "Bikini Bottom" abspielt. Die Liste der gnadenlos guten Gags und der Art ihrer Umsetzung ist gigantisch und würde jegliche Grenzen dieser Kritik sprengen, wobei der Lacher letztendlich meist aus der Zeichnung seiner Charaktere resultiert. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist das Eis-Frustessen, in dessen Verlauf SpongeBob und Patrick nahezu außer Kontrolle geraten, dem Barkeeper das Eis um die Ohren fliegt, welches nicht in deren beider Münder gelandet ist, wodurch er nach dem fünften Eis dann doch ziemlich befleckt aussieht, und schließlich der Kater am nächsten Morgen. Herrlich: SpongeBob mit Bart, verquollenen Augen und etwas verloren gegangenen Fähigkeiten, auf den Beinen zu bleiben.

Wirklich erklärbar ist die Faszination dieser Gags nicht, da sie als Einzelnes genommen im Grunde wenig hergeben würden, im Zusammenspiel mit all den anderen Szenen jedoch wunderbar passen. Noch schöner ist die Tatsache, dass sich der Film zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise ernst nimmt. Wird es übertrieben albern, dann ist das genau so beabsichtigt und genau deswegen schon wieder zum Brüllen komisch. Scheint es mal etwas ernster zu werden, darf - nein - muss man damit rechnen, dass der gleich folgende Gag die Ernsthaftigkeit der Szenerie in Grund und Boden stampft. Die Grundvoraussetzung für das Gelingen des Filmes liegt jedoch noch wo ganz anders - in der Zeichnung seiner Charaktere, wobei selbstverständlich SpongeBob besonders hervorzuheben ist. Generell guckt der Schwammkopf fröhlich-naiv drein und schon allein dieser Anblick regt zum Schmunzeln an, zumindest wenn man den Charakter dieses so witzigen Gesellen ein bisschen kennt. Ab und zu verändert sich sein Gesichtsausdruck aber eben auch - mal traurig, mal verängstigt, mal übermütig. Alles ist dabei und so liebevoll gezeichnet, dass man fast meinen müsste, keine Animation der Welt hätte das besser hinbekommen. Wir fassen also zusammen: Pure Selbstironie und Albernheiten, die niemals wirklich albern wirken, bilden gemeinsam mit der liebevollen Figuren-, aber auch Umgebungszeichnung ein unschlagbares Traumduo.

Eine Frage, die vielleicht auch beschäftigt, ist die nach dem Unterhaltungswert für Fans, beziehungsweise Nicht-Fans. Ich weiß nicht, ob ich jetzt ein Fan bin, der sich die Serie jeden Tag anschauen muss, aber ich weiß, dass ich bis Dienstag nicht mehr als 15 Minuten der Serie gesehen habe - was ich von dem Kinofilm halte, sollte zumindest aus der Wertung hervorgehen. Somit kann ich natürlich nur spekulieren, wie wahre Fans, die keine Sekunde verpasst haben, auf diesen Film reagieren werden. Selbst wenn sie hier nicht den SpongeBob zu sehen bekommen, den sie gewohnt sind, was ich mir nur sehr schwer vorstellen kann, erleben sie halt einen etwas veränderten Stil ihrer Lieblingsserie, der dann auch für sie neu sein dürfte, aber sie ebenfalls begeistern wird. Mein Begleiter hatte sich die Serie bereits mehrfach zu Gemüte geführt und ist mindestens so begeistert wie ich - das sollte diese Frage also eigentlich auch beantworten.

Es ist wieder einmal überraschend, zu erleben, wie schnell einem die eigenen Vorurteile vollkommen überflüssig und unangebracht erscheinen. Nach 90 Minuten bester Kinokost ist nur noch mit Scham an diese zu denken. Deswegen auch der Appell an alle anderen: Wer sich schon alleine von der Bezeichnung "Schwammkopf" und dessen Aussehen abschrecken lässt und ihn einzig für einen Film für Kleinkinder hält, der irrt gewaltig und sollte schnellstens seinen inneren Schweinehund überwinden und sich ins Kino begeben, denn so herrlich verrückt und erfrischend war dieses schon lange nicht mehr. Wer jedoch schon mit der Serie wirklich nichts anfangen und für die Charaktere einfach keine Sympathie entwickeln konnte, sollte um diesen Film selbstverständlich einen großen Bogen schlagen. Doch schade wär's.



Note: 1-



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